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Handy-Stahlung ohne Folgen?

Seit Jahren tobt eine hitzige Debatte um die Auswirkungen von Handy-Strahlung. Dabei könnten die Meinungen unterschiedlicher kaum sein: auf der einen Seite warnen Wissenschaftler die Verbraucher vor den gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Elektrosmog. Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und sogar Krebs sollen die Folgen der allgegenwärtigen Handy-Strahlung sein. Auf der anderen Seite stehen die Handy-Hersteller, die Mobilfunkbetreiber und nicht minder seriöse Wissenschaftler, die keine Verbindung sehen zwischen Elektrosmog aus dem Handy und gesundheitlichen Problemen.

Ein Hauptproblem bei der Diskussion um die Handy-Strahlung ist die Tatsache, dass es sich um eine sehr junge Technologie handelt. Mögliche Langzeitschäden, hervorgerufen durch Handy-Smog oder Sendemasten-Strahlung lassen sich in dem kurzen Zeitraum von 15 Jahren noch nicht erfassen. Fakt ist, ein klares Ergebnis zur (Un-) Schädlichkeit von Handy-Strahlung hat es trotz der rund 20 000 Studien bisher nicht gegeben. Verständlicherweise ist die Mehrheit der Verbraucher verunsichert. Dubiose Geschäftemacher versuchen, Kapital aus dieser Ungewissheit zu schlagen: inzwischen gibt es diverse Dämm- und Isoliermethoden, die vor der angeblichen Strahlung schützen sollen. Zuvor muss eine – natürlich kostenpflichtige – Spezialmessung durchgeführt werden. Das sind nichts weiter als teure und nachweislich nutzlose Methoden. Sie dienen einzig dem Zweck, dem besorgten Verbraucher das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Elektrosmog macht alt

Die Internationale Gesellschaft für Elektrosmog-Forschung sieht klare Beweise für eine Schädigung des Körpers durch Handy-Strahlung. Der Diplom-Ingenieur Paul Sommer, Leiter des Prüf- und Forschungslabors der Gesellschaft, beschäftigt sich seit drei Jahren mit der Wirkung von Störfeldern auf den menschlichen Organismus: „Handy-Strahlung wirkt als äußere Belastung auf den Organismus und erhöht das Stresspotenzial“, erklärt Sommer. „Die Dauerbelastung durch Elektrosmog (in der Regel sind bei elektrosensiblen Menschen meist noch andere Störfelder beteiligt) führt zur Veränderung rhythmischer Prozesse des Organismus. Insbesondere verringert sich die Herzratenvariabilität, die in der modernen Wissenschaft als ´Globalfitness` bewertet wird“. Einfacher ausgedrückt bedeute das eine reduzierte Anpassungsfähigkeit des Körpers an die äußere Umwelt. Die Folge der Dauerbelastung mit Elektrosmog sei ein stärkerer Alterungsprozess, so das Fazit des Wissenschaftlers.

Dennoch, nicht das Mobiltelefon sondern vielmehr das Radio sowie der Fernseher sind die beherrschenden Elektronikgeräte in unserer nächsten Umgebung. Oft laufen diese über mehrere Stunden und werden aufgrund des Standby-Knopfes nie wirklich ausgeschaltet. Die Zeitschrift connect hat in stichprobenartigen Messungen nachgewiesen, dass Radio und TV stets die Hauptverursacher elektromagnetischer Felder waren. Erwiesen ist auch, dass Schnurlostelefone eine stärkere hochfrequente Strahlung im Wohnumfeld erzeugen als etwa ein Mobilfunk-Sendemast in der Umgebung. Die Basisstation des DECT-Telefons sendet permanent ein Kontrollsignal zum Mobilteil, auch im Standby-Betrieb. Zudem wird beim Telefonieren mit dem schnurlosen Telefon immer mit maximaler Leistung gesendet. Wer also konsequent eine Bestrahlung des Körpers durch Elektrosmog vermeiden will, sollte neben dem Handy auch andere Elektronikgeräte abschalten bzw. aus der Wohnumgebung entfernen.

Auch SAR-Wert und „blauer Engel“ schaffen keine Sicherheit

Mit der Einführung des sogenannten SAR-Wertes wollten die Handy-Hersteller mehr Transparenz schaffen und der Verunsicherung der Verbraucher entgegenwirken. Die „Spezifische Absorptionsrate“ (SAR) des Mobiltelefons wird in der Bedienungsanleitung ausgewiesen. Dieses physikalische Maß beschreibt, wie viel ein Gewebe – etwa der menschliche Körper – von einem elektromagnetischen Feld aufnimmt. Die Absorption dieser Leistung führt zu einem Temperaturanstieg im Gewebe und könnte eine Zellschädigung zur Folge haben. Der SAR-Grenzwert liegt bei zwei Watt pro Kilogramm Körpermasse. Er stellt sicher, dass das Körpergewebe nur um einen Bruchteil eines Grades erwärmt wird.

Alle gebräuchlichen Handys halten diesen Grenzwert ein, manche werben explizit mit einer sehr niedrigen Absorptionsrate. Aber bedeutet ein niedriger SAR-Wert tatsächlich, dass das Handy strahlenärmer ist? Nur bedingt, denn einige wichtige Faktoren aus dem praktischen Umgang mit dem Mobiltelefon wurden außer Acht gelassen: der SAR-Wert bezieht sich auf die maximale Sendeleistung. Oft wird aber mit viel geringerer Leistung gesendet. Ausschlaggebend ist hier die Konstruktion des Mobiltelefons: verfügt es über eine gute Antenne, geht kaum Sendeleistung verloren und das Gerät produziert durchschnittlich eine niedrigere Strahlung. Der besorgte Verbraucher sollte beim Kauf also nicht nur auf den SAR-Wert sondern auch auf die hochwertige Verarbeitung des Handys achten.

2002 wurde das Siegel „Blauer Engel für strahlungsarme Handys“ vom Bundesamt für Strahlenschutz und der Jury Umweltzeichen eingeführt. Mobiltelefone mit weniger als 0,6 Watt/kg Spezifische Absorptionsrate dürfen dieses Prädikat tragen, allerdings boykottieren die Hersteller das Ökosiegel. Einzig ein Kinder-Handy schmückt sich bisher mit dem „Blauen Engel“. Eine umfassendere Beurteilung von Mobiltelefonen in Bezug auf die Strahlung bietet die Zeitschrift connect: seit fünf Jahren ermittelt die Redaktion den „connect-Strahlungsfaktor“ für neue Handys. Neben dem SAR-Wert wird hier auch die effektive Sendeleistung berücksichtigt. Die Listen werden regelmäßig aktualisiert.

Verursachen Sendemasten Krebs?

Nicht nur die Handys auch die Mobilfunk-Basisstationen stehen unter Verdacht, gesundheitsschädigenden Elektrosmog auszustrahlen. Im Jahr 2004 schreckte eine bayerische Studie die Öffentlichkeit auf: eine Gruppe von Ärzten aus dem Ort Naila hatte eine besorgniserregende Zunahme von Krebserkrankungen in der Nähe von Sendemasten ermittelt. Grundlage der Studie war die Auswertung von Patientenunterlagen aus einem Zeitraum von 10 Jahren. Die Ärzte sahen einen direkten Zusammenhang zwischen der Strahlung und der Gesundheit der Anwohner. Bei Patienten, die im Umkreis von 400 Metern der Mobilfunk-Sendeanlage wohnten, hatten sich die Krebserkrankungen laut Untersuchung verdreifacht. Die Studie aus Naila wies jedoch einige Schwachpunkte auf: so waren lediglich 40 Personen beobachtet worden, außerdem hatten die Ärzte wichtige Risikofaktoren wie Alter und Lebensweise der Krebskranken sowie die medizinische Vorgeschichte der Familien nicht ausreichend berücksichtigt.

Ein wissenschaftliches Team des Bevölkerungsbezogenen Krebsregisters Bayern veranlasste eine eigene Untersuchung über den Zusammenhang von Senderdichte und Krebserkrankungen. Dr. Martin Meyer und seine Kollegen werteten dazu die Senderdichte und Krebsstatistiken von 48 bayerischen Gemeinden aus. So wurden über 170.000 Einwohner in die Studie mit einbezogen. Die Wissenschaftler kamen zu einem völlig anderen Ergebnis als die Ärzte aus Naila: sie konnten keine erhöhte Zahl an Krebserkrankungen im Umkreis von Mobilfunksendern nachweisen. Auch das Bundessamt für Strahlenschutz (BfS) hält das Gesundheitsrisiko, das von Sendemasten und Mobilfunkgeräten ausgeht, für verschwindend gering.

Fazit: Entwarnung

Eine breit angelegte Untersuchung des Landesamtes für Umweltschutz Baden-Württemberg erbrachte ähnliche Ergebnisse: an 60 Prozent von insgesamt 895 Messpunkten zwischen Mannheim und Stuttgart lagen die Einwirkungen durch elektromagnetische Felder unter einem Hundertstel des gesetzlichen Grenzwertes. Nur an acht Messpunkten wurden mehr als fünf Prozent des Grenzwertes erreicht. Insgesamt ergab die Untersuchung, dass der Mobilfunk den gesetzlichen Grenzwert im Durchschnitt nur zu rund 0,3 Prozent ausschöpft. Grundsätzlich lässt sich feststellen: lediglich in unmittelbarer Nähe zu einer Antenne wird der Grenzwert auch nur annähernd erreicht. Die weitverbreitete Angst vor dem Sendemasten-Smog erweist sich also als unbegründet.

Ein unaufgeregter, vernünftiger Umgang mit Handys und anderen Elektronikgeräten ist sicherlich der beste Weg, um etwaige Gesundheitsschäden durch Elektrosmog zu vermeiden. Jede andere Lösung wäre unrealistisch: schließlich ist die Abschaffung von Handys und dem Mobilfunk ganz allgemein keine ernstzunehmende Option.

Autor: FN